Ratgeber

Sturzsicher wohnen: fünfzehn Änderungen, die eine Physiotherapeutin zuerst machen würde

Zu Hause passieren die meisten Stürze, und die meisten davon an drei Orten: im Bad, nachts im Schlafzimmer und auf den paar Metern zur Haustür. Eine Physiotherapeutin, die zu dir nach Hause kommt, baut nicht das Haus um; sie ändert fünfzehn Dinge an einem Nachmittag, die meisten davon günstig. Hier ist ihre Liste, in der Reihenfolge, in der sie es tun würde – und wo der Rollator parkt.

Etwa 8 Minuten LesezeitEnthält Affiliate-Links (*)

Kurz gesagt

Fang an den drei Orten an, an denen Stürze passieren: eine rutschfeste Matte und ein Haltegriff im Bad, Nachtlichter mit Bewegungsmelder zwischen Bett und Bad und ein freier Weg ohne lose Teppiche vom Schlafzimmer zur Haustür. Dann ein Stuhl mit Armlehnen in jedem Zimmer, der Rollator mit festgestellten Bremsen dort, wo du aufstehst, Schuhe statt Pantoffeln in der Wohnung und das Telefon so, dass du es vom Boden aus erreichst. Alles andere auf der Liste ist Feinarbeit. Mit Pflegegrad zahlt die Pflegekasse für Umbauten bis zu 4.180 Euro je Maßnahme – vorher beantragen.

Freier Boden, Licht unten, Stuhl mit Armlehnen

Die fünfzehn, der Reihe nach

  1. Eine rutschfeste Matte in Dusche oder Wanne – die wirksamste einzelne Änderung im ganzen Haus.
  2. Ein Haltegriff dort, wo du ein- und aussteigst – verschraubt, wenn möglich; als Mieterin ein guter Saughaltegriff. Nie die Handtuchstange.
  3. Nachtlichter mit Bewegungsmelder vom Bett bis zur Badtür, auf Sockelhöhe.
  4. Keine losen Teppiche – wegräumen oder mit doppelseitigem Teppichband fixieren; an der Kante bleibt der Zeh hängen.
  5. Ein Stuhl mit Armlehnen in jedem Zimmer, in dem du sitzt, Sitzhöhe auf Kniehöhe, damit du dich mit den Händen hochdrückst.
  6. Der Rollator geparkt, Bremsen fest, dort, wo du aufstehst – neben Bett, Sessel und Toilette.
  7. Schuhe in der Wohnung mit geschlossener Ferse und dünner, griffiger Sohle – keine Pantoffeln, keine Socken.
  8. Ein Duschhocker, damit du im Sitzen duschst; eine Handbrause an einer Gleitstange.
  9. Ein Aufstehgriff am Bett auf der Seite, auf der du aufstehst, und das Bett so hoch, dass deine Füße im Sitzen den Boden erreichen.
  10. Kabel und Kram vom Boden – eine Ladeecke, nichts quer über einem Weg.
  11. Alles, was du täglich brauchst, zwischen Hüft- und Schulterhöhe – keine Tritthocker, kein Bücken in tiefe Schränke.
  12. Eine Greifzange in der Küche und eine neben dem Sessel für alles, was herunterfällt.
  13. Lichtschalter, die du vom Bett und von der Tür aus erreichst – Funkschalter zum Einstecken kosten wenig.
  14. Das Telefon vom Boden aus erreichbar – ein Schnurlostelefon tief in jedem Zimmer oder ein Hausnotruf-Knopf am Handgelenk.
  15. Treppen mit Handlauf auf beiden Seiten und einem kontrastreichen Streifen auf der obersten und untersten Stufe.

Das Bad

Nass, hart, eng: Im Bad tut ein Sturz am meisten weh. Die rutschfeste Matte gehört in die Dusche oder Wanne, eine zweite mit Gummirücken davor auf den Boden. Der Haltegriff gehört dorthin, wo deine Hand beim Übersteigen des Wannenrands nach Halt sucht – meist senkrecht, auf Schulterhöhe, an der Wand neben dem Einstieg. Ein verschraubter Griff ist am besten; ein guter Saughaltegriff mit Druckanzeige hält auf glatten Fliesen und ist die Lösung für Mieterinnen – vor jeder Benutzung prüfen. Ein höhenverstellbarer Duschhocker lässt dich im Sitzen waschen; eine Toilettensitzerhöhung oder ein Toilettenstützgestell mit Armlehnen macht aus dem Aufstehen ein Hochdrücken statt eines Hochstemmens. Der Rollator wartet vor der Tür, Bremsen fest.

Die Nacht

Die meisten nächtlichen Stürze passieren bei den ersten Schritten aus dem Bett, im Halbschlaf und im Dunkeln. Auf die Bettkante setzen, bis zehn zählen, mit einer Hand am Aufstehgriff oder am festgestellten Rollator aufstehen, dann den beleuchteten Weg gehen. Nachtlichter mit Bewegungsmelder auf Sockelhöhe gehen an, bevor dein Fuß den Boden berührt; sie kosten wenig und brauchen keinen Elektriker. Halte den Weg vom Bett zum Bad frei von allem – Wäschekorb, Hausschuhe, Katzennapf.

Wo der Rollator schläft

Neben dem Bett auf der Seite, auf der du aufstehst, Bremsen fest, Griffe auf der Höhe, die du eingestellt hast. Mit beiden Händen an einem festgestellten Rollator aufzustehen ist sicherer als jeder Nachttisch, und der Rollator ist dann schon bei dir für den Weg.

Stühle, Sofas und Betten

Beim Aufstehen versagen die Beine, und Stühle kippen. Ein Stuhl mit Armlehnen und festem Sitz auf Kniehöhe lässt dich mit den Händen hochdrücken; niedrige weiche Sofas sind die schwierigsten Möbel im Haus. Erhöhe einen Lieblingssessel mit Möbelerhöhern, ein niedriges Bett ebenso. Der Test: Im Sitzen stehen deine Füße flach auf dem Boden, die Knie im rechten Winkel, und du kommst ohne Schwungholen hoch.

Teppiche, Schwellen und Böden

Die Teppichkante ist die häufigste Stolperfalle in der Wohnung. Teppiche wegräumen oder an allen Kanten mit doppelseitigem Teppichband fixieren; dicke Matten durch dünne mit Gummirücken ersetzen. Türschwellen über einem Zentimeter bekommen eine kleine Rampe – einen Keil aus Holz oder Gummi. Glatte Böden in Socken sind eine Eisbahn; Schuhe oder griffige Hausschuhe mit geschlossener Ferse. Verschüttetes Wasser sofort aufwischen – das geht leichter mit Greifzange und Tuch dort, wo es passiert.

Licht und Augen

Ältere Augen brauchen zwei- bis dreimal so viel Licht wie jüngere und gewöhnen sich langsam an die Dunkelheit. Hellere Lampen in Flur und Treppenhaus, Licht an beiden Enden eines Gangs, eine Lampe, die du vom Bett aus anschaltest. Lass deine Augen jedes Jahr prüfen, und sei mit Gleitsicht- und Bifokalbrillen auf der Treppe vorsichtig: Der Nahteil des Glases macht die Stufe unscharf. Viele Fachleute für Sturzprävention empfehlen für Wege draußen eine Einstärkenbrille für die Ferne.

Zuschuss der Pflegekasse für den Umbau

Wenn du einen Pflegegrad hast, zahlt die Pflegekasse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bis zu 4.180 Euro je Maßnahme – etwa für Haltegriffe und Handläufe, eine Dusche statt der Wanne oder eine verbreiterte Tür. Wichtig: Der Antrag muss gestellt werden, bevor der Umbau beginnt oder du etwas kaufst; mit einer Rechnung im Nachhinein gibt es nichts. Einen Hausnotruf bezuschusst die Pflegekasse mit Pflegegrad ebenfalls. Kleine Dinge wie Nachtlichter, Matten und Greifzangen kaufst du privat – sie kosten zusammen weniger als ein Paar gute Schuhe.

Wenn du doch stürzt

Bleib einen Moment still liegen und prüfe, ob etwas stark wehtut. Wenn du aufstehen kannst: auf die Seite rollen, auf Hände und Knie hochdrücken, zu einem stabilen Stuhl oder dem festgestellten Rollator krabbeln, das stärkere Bein nach vorn stellen, mit den Armen hochdrücken und zum Sitzen drehen. Wenn nicht: dich mit allem warm halten, was in Reichweite ist, die Beine bewegen, damit das Blut zirkuliert, und rufen – dafür sind das Telefon in Reichweite, der Hausnotruf oder die Uhr da. Sag es danach deiner Ärztin, auch wenn nichts wehtut; eine Sturzabklärung ist der nächste Schritt, und davon handelt der Ratgeber Sicher gehen.

Passende Modelle

Die sechs Produkte von der Liste

Universalmodelle, die in die meisten Bäder und Schlafzimmer passen. Wo ein Griff verschraubt werden kann, ist das besser.

Ohne Bohren

Saughaltegriff

Der Haltegriff für Mieterinnen: mit Druckanzeige, nur auf glatten Fliesen.

Bei amazon.de ansehen*

Fragen, die uns Frauen stellen

Wo passieren die meisten Stürze zu Hause?

Im Bad (nasse, harte Böden, Übersteigen des Wannenrands), nachts im Schlafzimmer (erste Schritte im Dunkeln) und auf dem Weg zur Tür (Teppiche, Schwellen, Eile). Diese drei Orte zuerst sichern.

Sind Saughaltegriffe sicher?

Ein guter mit Druckanzeige, auf glatten, nicht porösen Fliesen und vor jeder Benutzung geprüft, ist eine vernünftige Lösung für Mieterinnen. Er ist zum Abstützen da, nicht um das ganze Körpergewicht daran hochzuziehen. Ein verschraubter Griff ist immer besser, wo es möglich ist.

Sollte ich in der Wohnung Schuhe tragen?

Ja – mit geschlossener Ferse und dünner, griffiger Sohle. Pantoffeln, die vom Fuß rutschen, und Socken auf glatten Böden gehören zu den häufigsten Ursachen für Stürze zu Hause.

Wie hoch sollte mein Stuhl sein?

Die Sitzfläche auf Höhe der Kniekehle, sodass die Füße flach stehen und die Knie im Sitzen einen rechten Winkel bilden, dazu Armlehnen zum Abdrücken. Aus niedrigen weichen Sofas steht man am schwersten auf; Möbelerhöher helfen.

Zahlt die Pflegekasse einen Badumbau?

Mit Pflegegrad ja, als wohnumfeldverbessernde Maßnahme bis zu 4.180 Euro je Maßnahme – etwa für Haltegriffe, eine Dusche statt Wanne oder breitere Türen. Den Antrag unbedingt vor Beginn des Umbaus stellen.

Ist ein Hausnotruf sinnvoll?

Wenn du allein lebst, ja: ein Knopf am Handgelenk oder eine Uhr mit Sturzsensor, die eine Kontaktperson oder einen Dienst ruft. Mit Pflegegrad bezuschusst die Pflegekasse das Basisgerät. Das Minimum ist ein Telefon, das du in jedem Zimmer vom Boden aus erreichst.

Woher die Angaben stammen

Gewichte, Maße und Farben stammen von den Herstellerseiten und aus den Amazon-Angeboten; wir haben die Produkte nicht im Labor getestet. Wir vergleichen die Daten, lesen Erfahrungsberichte von Nutzerinnen und sagen klar, für wen ein Modell passt und für wen nicht. Bei Käufen über unsere Links erhalten wir eine Provision; sie hat keinen Einfluss darauf, welche Modelle wir zeigen oder was wir über sie sagen.